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 2010.01.08 Neujahrsempfang

Forscher Neujahrsempfang in Saathain

Die Hoffnung der SPD-Führungsriege im Landkreis Elbe-Elster hat sich erfüllt: Der am Mittwochabend erstmals durchgeführte Neujahrsempfang auf Gut Saathain fand eine außerordentlich gute Resonanz. Bemerkenswert: Die SPD ging mit sich selbst hart ins Gericht, und der Landesvorsitzende Matthias Platzeck sparte in seiner Grußrede auch das Stasi-Thema, das seit der Bildung der Regierungskoalition mit den Linken die öffentlichen Debatten im Land prägt, nicht aus. Der Ehrengast zog in seinem Grußwort eine positive Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung Brandenburgs im zurückliegenden Jahr, das von Wirtschaftsforschern als das Jahr der schlimmsten Krise seit 1949 bezeichnet werde. Zwölf Monate später, so der SPD- und Regierungschef, sei erkennbar, dass sich Brandenburg „deutlich wehrhafter“ erwiesen habe und in der wirtschaftlichen Dynamik laut Wirtschaftsweisen den zweiten Platz in der Bundesrepublik belege – „übrigens vor Sachsen“, wie er feinsinnig einschob. Das Land sei inzwischen krisenerfahren – „wir sind aus Krisen heraus entstanden“ – und habe mit seinem Zusammenhalt und den gebildeten Netzwerken viele Schwierigkeiten gemeistert. Dabei warnte Platzeck vor Euphorie: 2010 sei die „Krise noch lange nicht zu Ende“. Auch wenn das manchmal so dargestellt werde, Brandenburg wolle kein Billiglohnland sein. Um das zu verhindern, müssten „alle Kinder, die bei uns groß werden, bestausgebildet groß werden“. Leidenschaftlich setzte er sich dafür ein, das Ansehen der Lehrer zu verbessern und forderte junge Leute auf, den Lehrerberuf wieder zu ergreifen. „Wir brauchen die Besten dafür und nicht die, die Lehrer werden, weil sie keinen anderen Studienplatz mehr gefunden haben. Wir brauchen Lehrer, die Lust auf Kinder haben“, so Platzeck. In wenigen Sätzen, dafür aber nicht minder deutlich, erklärte der Landesvorsitzende, dass er eine Lohnpolitik fordere, bei der die Menschen nach 40 Stunden Arbeit „nicht trotzdem noch zum Sozialamt gehen müssen“. Billiglöhne würden keine Motivation fördern und zusätzlich die Würde der Menschen verletzen. Viel Zeit nahm sich Platzeck, um zu erklären, weshalb er einer rot-roten Koalition im Land den Vorzug gegeben habe. Wenn über 50 Prozent der Menschen im dritten Jahrzehnt nach dem Mauerfall erklären würden, sie könnten mit der Demokratie nichts mehr anfangen und sie in der sozialen Marktwirtschaft kein Zukunftsprojekt mehr sehen würden, so Platzeck, könne Politik nicht so weitermachen wie bisher. Das Schema der Aufarbeitung der deutsch-deutschen Geschichte sei noch immer zu „schlicht, vorwiegend schwarz-weiß, Stasi oder nicht, dafür oder dagegen, Partei – ja oder nein“. Die Demokratie müsse Menschen auch eine neue Chance geben, vorausgesetzt sie würden ein neues Bekenntnis ablegen. Ehrlichkeit sei unbedingt vorausgesetzt und Gewählte müssten sich in der Demokratie bewähren. In der gemeinsamen Republik sei es wichtig, das gelebte Leben eines Jeden zu betrachten. „Auch das vor 1989 gelebte Leben war ein Leben mit Leistung“, so Platzeck vor teils andächtig lauschenden Zuhörern. Weniger fesselnd, aber mit klaren Inhalten hatte zuvor der SPD-Landratskandidat Lutz Kilian, neben Barbara Hackenschmidt einer der Stellvertreter, Bilanz der Arbeit der Kreis-SPD im zurückliegenden Jahr gezogen. Er sprach von einem „desaströsen Wahljahr“, in dem man das Bundestagsmandat verloren und in den Landtag erst mit einem Nachrückermandat einziehen konnte. Wie dünn die Personaldecke der Partei sei, verdeutlichte, dass man in den Städten Finsterwalde, Herzberg und Elsterwerda nicht einmal einen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl nominieren konnte. „Wir waren nach diesem Schock nicht mehr auf Augenhöhe mit der CDU“, so Kilian, der seine Partei inzwischen wieder im Aufwind sieht. Sieben Neueintritte habe es in dieser Zeit der Krise gegeben. Die Jusos hätten sich zu einer echten Schubkraft entwickelt. Die Partei habe sich klar für die Energieregion Lausitz-Spreewald ausgesprochen und „sollte ich Landrat werden, bleibt das Krankenhaus in öffentlicher Hand“. Das Netzwerk „Gesunde Kinder“ müsse schnell in Elbe-Elster etabliert werden. Bildung und Ausbildung müssten Chefsache sein. Mit Blick auf den Wahltag am Sonntag erklärte Kilian entschlossen: „Wir werden beweisen, dass auch Sozialdemokraten wieder Wahlen gewinnen können.“ Und spätestens da war er sich mit dem vielbeklatschten Kammerchor „Amici della musica“ aus Senftenberg einig, als dieser im Stile der Comedian Harmonists sang „irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück…“ Frank Claus
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